Enjoy Jazz 2013: Jazzfüllhorn – halb ausgeschüttet

05.06.2013 23:09 von jazz (Kommentare: 0)



Rainer Kern (Enjoy Jazz) und Jürgen Fritz (SAS) - Foto Schindelbeck
Rainer Kern (Leitung Enjoy Jazz Festival ), Jürgen Fritz (SAS, Sponsor)


Es ist schon ein Kreuz für Festivalchef Rainer Kern und seine Zuhörer. Im gerade erst beginnenden Sommer soll es die ersten Info-Häppchen für die Presse geben, er darf und kann aber nur mit einem Teil des Programms heraus rücken, rund vier Monate vor Beginn des 15. Enjoy Jazz Festivals, das mit dem Auftaktkonzert von Joshua Redman am 2. Oktober in der Stadthalle Heidelberg beginnt.


Kern ist gut gelaunt und kann das mit der 14-jährigen Erfolgsgeschichte des Festivals im Rücken wahrlich sein, und er versteht es Appetit zu machen auf die Konzerte, sowohl auf die bereits bekannten als auch auf die, die er noch nicht verraten darf – weil die Verträge noch nicht unter Dach und Fach sind oder weil es strategisch wichtig ist einem der Hauptsponsoren nicht die eigene Pressekonferenz-Überraschung zu rauben. Kleine Häppchen gibt’s dann doch, die dürfen zwar noch nicht verraten werden, man kann sich aber schon einmal klammheimlich darauf freuen - beispielsweise auf ein Konzert im Mannheimer Wasserturm…


Joshua Redman also zu Beginn. Ein besonderer Freund des Festivals, und auch umgekehrt ein Liebling der Festivalmacher, ist „zu groß“ geworden um in der traditionellen Spielstätte des ersten Festivalkonzertes – dem Heidelberger Schloss – ausreichend Raum für die zu erwartenden Zuschauermengen zu bieten. Der Schreiber sieht es mit etwas Wehmut, fehlt der Stadthalle doch etwas Flair, der Hauch von Keller der im Schloss steckt. Musikalisch muss man sich keine Sorgen um das Konzert machen, Redman ist einer der Musiker, die vor vielen Jahren als „Young Lions“ begannen die Jazzwelt zu erobern und er ist einer von ihnen, der es vom Junglöwen zum etablierten Alt-Löwen gebracht hat. Sein Quartett mit Aaron Goldberg (p), Reuben Rogers (b) und Greg Hutchinson (dr) wird die Stadthalle füllen, die Vorverkaufszahlen verraten es bereits.


Vorverkauf ist ein gute Stichwort, denn ab dem 8. Juni startet der Vorverkauf für den größten Teil der bekannten Konzerte und wie immer gibt es Frühbucherrabatt für einzelne Konzerte von bis zu 10% - bis zum 31. Juli. Ebenfalls im Angebot wieder die – übertragbaren – Festivalpässe, erhältlich im Preisrahmen von 340 – 390 €, was angesichts der absehbaren Fülle an Konzerten durchaus ein Schnäppchen sein kann. Entweder für Besucher mit guter Kondition über die sieben Festivalwochen oder für gute „Teiler“.


Das bisherige Programm: der übliche Enjoy Jazz Mix. Zeitgenössischer Jazz mit avantgardistischen Einsprengseln (Chisholm, Potter, Mehldau), alte Bekannte frisch zusammen gewürfelt (Wesseltoft, Schwarz, Berglund), Jazz-Solitäre (Carla Bley, Vijay Iyer, Scofield, Hugh Masekela), Anderes (die Organistin Anna von Hausswolff, Mariahilff). Bisher sind im Programm noch keine regionalen Musiker zu finden, am Rande wurde aber schon ein Solo Konzert von Erwin Ditzner angekündigt.


Die wichtigste Neuerung bei Enjoy Jazz 2013: es gibt einen „Artist in Residence“. Die Wahl fiel auf den Pianisten Michael Wollny. In den vergangenen Jahren vielfach preisgekrönt, kürzlich erst gemeinsam mit Heinz Sauer Träger des Binding-Kulturpreises aber auch schon Preisträger beim Neuen Deutschen Jazzpreis mit [em]. Die [em]-Bassistin Eva Kruse ist in Babypause und das dürfte mit ein Anstoß für eine Premiere im Rahmen von Enjoy Jazz sein: Wollny stellt ein neues Quartett vor, mit Erik Schäfer an den Drums, und zusätzlich Marius Neset, Saxophon und Tim Lefebvre am Bass. Das Konzert wird mitgeschnitten – und, wer weiß, eventuell auf ACT veröffentlicht – und es ist nur eines von fünf bis sechs geplanten Konzerten, die der Artist in Residence präsentieren wird.


Ein weiteres Highlight, und ein „Not-to-miss“-Ereignis dürfte das Preisträgerkonzert des aktuellen SWR-Jazzpreisträgers Hayden Chisholm werden. Der Saxophonist tritt im Ludwigshafener dasHaus auf und stellt gleich zwei Trioformationen vor. Set 1 mit dem Pianisten Philip Zoubek und dem „Elektroniker“ Marcus Schmickler und im zweiten Set mit dem grandiosen Simon Nabatov am Piano und dem Schlagzeuger Jochen Rückert. Beide Formationen werden den Facettenreichtum des neuseeländischen Saxophonisten zum Glitzern bringen.


Verlässliche Koordinaten im Enjoy Jazz Kosmos bleiben die Jazz Matineen – wie stets im Haarlass Heidelberg beim Hauptsponsor SAS (mittlerweile im 9. Jahr, aller Ehren wert) veranstaltet, Jazzaperitifs, eine „Plattenauflege-Veranstaltung“...


Aber auch „junge“ Veranstaltungen wie das Konzert in der Blindenschule Ilvesheim finden wieder statt und es gibt eine Neuauflage des „European Exchange for Young Professionals in the Music Industry“ - eine Veranstaltung, die sich im vergangenen Jahr ausgeprochen gut anließ.


Was fehlt? Roger Willemsen - nicht jeden erschreckt das - er schreibt an einem Buch und hat in diesem Jahr keine Zeit für Enjoy Jazz, dafür springt Musiker und Literat Thomas Meinecke ein. Die Solo-Reihe in der Hochschule für Jüdische Studien findet leider nicht mehr statt – der Veranstaltungsraum steht nicht mehr zur Verfügung. Glücklicherweise ist das nicht der Tod der Solokonzerte, die finden sich trotzdem im Festivalprogramm allerdings an verschiedenen Orten. Mehldau und Ditzner sind die bislang bekannten Namen dieser Kategorie.


Neu ist eine weitere Spielstätte – Enjoy Jazz begibt sich erstmals in Kooperation mit der Jazzsparte des Forum Kultur nach Heppenheim und wird dort im Kurfürstensaal das Rémi Panossian Trio präsentieren. Es wäre überraschend, wenn dies die letzte Neuerung im Vorfeld bliebe. Fast schon keine Überraschung ist die zeitliche Ausdehnung des Festivals. Unter dem Titel „Enjoy Jazz Encore“ finden am 18.11. (Gregory Porter und Lizz Wright) und am 27.11. (Mehliana feat. Brad Mehldau und Mark Guiliana)  außerhalb des eigentlichen Festivalszeitraums zwei Konzerte statt – für manchen Fan des Festivals wohl ein therapeutisches Mittel gegen plötzliche Entzugserscheinungen nach sechs Wochen Enjoy Jazz.


| www.enjoyjazz.de


Teilnehmer der Pressekonferenz, die einem bei Enjoy Jazz gelegentlich begegnen:

 

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