Österreicher unter sich - Muthspiel interpretiert Jandl bei Enjoy Jazz 2015

12.10.2015 00:23 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

ohne swing ist es nicht jazz
jazz is swing
jazz is drive
jazz is jazz is jazz is jazz.

(EJ)

 

Der Künstler freut sich, der Fotograf jammert: Christian Muthspiel hatte sich offensichtlich eine Funzelbeleuchtung gewünscht oder der Lichtmensch war schlecht drauf. Schwierige Bildermacherei aber die Laune des ungeblendeten Künstlers hebt sich. Zumindest wirkt Muthspiel gut gelaunt und gewitzt - aber beim Thema des Nachmittags „Ernst Jandl“ ist das schon fast selbstverständlich. Ein Konzert im Rahmen von Enjoy Jazz Im Karlstorbahnhof Heidelberg.

 

Der österreichische Dichter (1925-2000) wurde bekannt durch experimentelle Lyrik und seine Lautgedichte. Auch jazzaffin war Jandl und feierte beim Jazzfest Berlin 1985 mit der Jazzoper „Laut & Luise“, die er mit Dieter Glawischnig erarbeitete, einen großen Erfolg. Der skurrile Humor und die Rhythmik seiner Lautgedichte dürften die wesentliche Anziehung auf den kreativen Kopf von Christian Muthspiel ausgeübt haben.

 

Muthspiel hat sich auf der Bühne sein musikalisches Reich mit Flügel, Keyboard, Miko und Posaune gebaut und gebietet über dieses Reich mit zusätzlicher Elektronik. Die Tasteninstrumente und seine Posaune beherrscht er gleichermaßen aber er erweitert dieses Spektrum mit den Möglichkeiten der Elektronik indem er kurze Passagen der Instrumente aber auch Geräusche und gesprochene Textfragmente aufzeichnet und – gern multipliziert und übereinander geschichtet – in rhythmische Patterns wandelt und daraus eine ganz neue Erweiterung des Instrumentariums erschafft. Und ja, auch wenn es technisch klingt: es swingt - ganz im Sinne von Jandl - am Ende ganz enorm.

 

Und es funktioniert vor allem im Zusammenspiel mit Jandls Texten, die er erweitert und zerstückelt und in neue rhythmische Patterns gießt. Den Witz der Jandlschen Text und ihre Skurrilität bringt er damit großartig zur Geltung und seine schauspielerischen Fähigkeiten sind das Sahnehäubchen zur grandiosen Interpreten von Jandls Werk.

 

Jetzt lege ich mich hin
weil ich schläfrig bin
und tu als ob ich schliefe
bis ich eingeschlafen bin.

(EJ)

 

 

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